Die friesische Karibik – ein Besuch auf Föhr

 

Zusammen mit Christopher Vogt hat es mich zum Ortstermin in die Karibik verschlagen, und zwar in die friesische Karibik. Zwei Tage lang haben wir uns einen Eindruck über die Nordseeinsel Föhr und die dort aktuell diskutierten Themen verschafft.

Im Gespräch mit der Bürgermeisterin von Utersum, Göntje Schwab, wurde deutlich, dass man auf Föhr den Tourismus in der Nebensaison ausbauen und das touristische Angebot noch attraktiver gestalten möchte. Viel drängender sei aber für die Gemeinde, neuen bezahlbaren Wohnraum für die auf der Insel lebenden Menschen zu schaffen. Utersum bietet daher über mehrere Jahrzehnte laufende Erbacht-Bauverträge an. Die Einheimischen können so günstig Eigentum erwerben, aber die Gemeinden behalten den Zugriff auf Grund und Boden. Probleme bereitet der Bürgermeisterin aber die Begrenzung der Neubauquote. Auf Föhr sehen wir, wie wichtig die Fortschreibung des Landesentwicklungsplans für die Kommunen ist. Hier besteht ein Bedarf an Wohnraum, der momentan nicht gedeckt werden kann. Für die Einheimischen ist das natürlich eine unbefriedigende Situation. Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen und zwar zügig. Die Inseln sollen attraktiv bleiben für junge Familien. Wir sehen am Beispiel Sylt, was

passiert, wenn immer weniger Einheimische auf der Insel leben können. Wir werden die Fortschreibung des Landesentwicklungsplans deshalb weiter vorantreiben.

Eines der großen Projekte der kommenden Jahre wird die Deichverstärkung zwischen Utersum und Dunsum sein. Der Baubeginn ist bereits mehrfach verschoben worden, vor allem aufgrund eines langwierigen Planungsverfahrens, bei dem immer wieder neue Fragen geklärt werden mussten. Unser Planungsrecht muss dringend reformiert werden. Es kann nicht sein, dass sich Bauprojekte immer wieder um Jahre bzw. Jahrzehnte verzögern. Das stellen wir ja nicht nur bei den großen Projekten wie beispielsweise der A20 fest, sondern auch unsere Gemeinden leiden darunter, wenn sich Bauvorhaben hinziehen. Wir setzen uns dafür ein, dass unser Planungsrecht effizienter wird. Wir brauchen eine Mitwirkungspflicht der Verbände und eine Stichtagsregelung, damit Planungen nicht ständig an die sich ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden müssen.

Auch die Landwirtschaft auf der Insel war Thema der Sommertour. Die seit Jahren stark zunehmende Zahl an Nonnengänsen bereitet den Landwirten große Sorgen. Nonnengänse sind streng geschützt und dürfen lediglich zur Vergrämung bejagt werden. In Schleswig-Holstein sind davon vor allem die Ackerflächen an der Westküste betroffen. Die Gänse richten große Fraßschäden an und hinterlassen viel mit Krankheitserregern belasteten Kot. Wir müssen die Artenschutzliste dynamisch anpassen können. Es ist richtig, dass eine vom Aussterben bedrohte Tierart geschützt werden muss. Wenn sich die Population dann aber erholt, muss der Schutzstatus angepasst und eine Regulierung der Bestände durch Bejagung ermöglicht werden. Die Artenschutzliste kann nicht in Stein gemeißelt sein. Die Interessen des Artenschutzes und der Landwirtschaft müssen zu einem Ausgleich gebracht werden.

Anschließend ging es weiter zu einem einzigartigen und besonderen Ort auf Föhr: zur Oevenumer Vogelkoje. In den Vogelkojen wurden früher Wildenten gefangen, heute dienen sie den Vögeln als Rückzugsgebiet. Auf Föhr gibt es heute nur noch sechs solcher Vogelkojen. John Petersen, Oevenums Gemeindevertreter und Landwirt, führte uns über die Jahrhunderte alte Anlage, die für die Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich ist. Dabei ging es aber nicht nur um den historischen Streifzug, sondern vor allem um die Sorgen und Nöte, die die Landwirte derzeit umtreiben.

Das Betretungsverbot während der Corona-Pandemie hatte für die Insel Föhr wie auch für alle anderen Nordseeinseln massive Auswirkungen. Die Wyker Dampfschiffs-Reederei verzeichnete einen deutlichen Rückgang an Fahrgästen und musste viele ihrer Mitarbeiter zeitweilig in Kurzarbeit schicken. Geschäftsführer Axel Meynköhn hat das Unternehmen ohne fremde Hilfe, also finanzielle Hilfen vom Land, durch die Krise geführt, allerdings rechnet er mit einem deutlichen Umsatzrückgang.

Zwar kann der Fährbertieb seit Mitte Mai wieder voll aufgenommen werden, aber die Zahl der Fahrgäste ist begrenzt und die Urlauber halten sich noch zurück. Gleichzeitig möchte die Reederei weiter investieren, um zukunftsfähig zu bleiben. Dabei geht es auch um den Einsatz von alternativen Antriebsformen, beispielsweise Wasserstoff. Hier will die Reederei einige größere Projekte innerhalb der Flotte realisieren.